Männer, die mit Puppen spielen: filmische Lust zwischen Eros und Thanatos im spanischsprachigen Kino

  • Marlen Bidwell-Steiner Universität Wien
Schlagworte: Spanischer Film, Pygmalion, Fetischismus, Psychoanalyse

Abstract

Dieser Beitrag untersucht die Faszination von realen Puppen auf der Leinwand, die das männliche Imaginäre zwischen Lust und Angst repräsentieren. Am radikalsten verdeutlicht das ein Film des spanischen Regisseurs Luis Berlanga: In „Grandeur Nature / Tamaño natural“ (1974) scheitert der Protagonist an seiner Liebe zu einem lebensgroßen Erotikspielzeug, da er dafür sein soziales Leben preisgibt. Die fatale Logik dieser Verstrickung zeigt sich im Vergleich mit zwei weniger drastischen Filmen: In „No es bueno que le hombre esté solo“ von Pedro Olea ersetzt ein Mann seine tote Frau durch eine Puppe, wird aber von der Realität zur Aufgabe seiner Melancholie gezwungen. In „Ensayo de un crimen“ (1955) von Luis Buñuel lebt der Protagonist seine erotischen Phantasien an einer Schaufensterpuppe aus, die er anstelle ihres Vorbildes rituell mordet. In den drei Beispielen veranschaulicht die Puppe das Wirken filmischer Lust zwischen Eros und Thanatos.

Autor/innen-Biografie

Marlen Bidwell-Steiner, Universität Wien

Marlen Bidwell-Steiner ist habilitierte Romanistin mit Forschungsschwerpunkten in der Frühen Neuzeit in Spanien, Körpervorstellungen und Gender, sowie dem europäischen Film der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aktuell arbeitet sie an einem Forschungsprojekt des österreichischen Wissenschaftsfonds zu „Kasuistik in der frühneuzeitlichen Literatur Spaniens“ (FWF P 32297). Aktuelle Publikationsschwerpunkte zu „Das Grenzwesen Mensch. Vormoderne Naturphilosophie und Literatur im Dialog mit postmoderner Gender Theorie“ und „Trauma und Tabu im Wien der Nachkriegszeit (Der Nachtportier, Regie: Liliana Cavani)“.

Veröffentlicht
2020-10-20
Zitationsvorschlag
BIDWELL-STEINER, M. Männer, die mit Puppen spielen: filmische Lust zwischen Eros und Thanatos im spanischsprachigen Kino. denkste: puppe - multidisziplinäre zeitschrift für mensch-puppen-diskurse, v. 3, n. 1.2, p. 70-78, 20 Okt. 2020.