Sehnsucht nach menschlichen »Musterstücken».

Shakespeares Sonette, getanzt

  • Marlene Meuer Leuphana Universität Lüneburg
Schlagworte: Shakespeares Sonette als Ballett, Menschenfabrik, künstliche Menschen, Liebe, Sehnsuchtsphantasien, Selbstentfremdung, Pygmalion-Mythos

Abstract

Insgesamt vier Szenen des Hamburger Balletts Shakespeare – Sonette aus dem Jahr 2019 spielen in einer Menschenfabrik und führen vor Augen, wie dort künstliche Menschen hergestellt werden, zum Leben erwachen und die Sehnsuchtsphantasien der Fabrikarbeiter, also ihrer eigenen Schöpfer auf sich ziehen. Der folgende Beitrag erläutert diese Schlüsselszenen vor dem Hintergrund der Gesamtkomposition des Balletts und diskutiert Deutungsimplikationen: Die Tendenz zur Idealisierung des Menschen erscheint sowohl als anthropologisches Charakteristikum als auch als Eigenschaft großer Kunst und birgt die Gefahr der menschlichen Selbstentfremdung und des Selbstverlusts. Das berühmte kulturgeschichtliche Sinnbild hierfür ist der Pygmalion-Mythos: Der misanthropische Künstler, der sich in sein eigenes ideales Kunstwerk verliebt.

Autor/innen-Biografie

Marlene Meuer, Leuphana Universität Lüneburg

Marlene Meuer ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin mit komparatistischer Ausrichtung. Sie promovierte mit einer kulturhermeneutischen Arbeit über Polarisierungen der Antike im Aufklärungszeitalter, absolvierte anschließend Lehr- und Forschungsaufenthalte in Weimar, Freiburg, Eichstätt, Aberdeen (UK), Catania (IT), Marbach, Konstanz und Prag (CZ) und schrieb ein zweites Buch über Schillers Laura-Zyklus. Zurzeit lehrt sie an der Leuphana Universität Lüneburg und forscht im Bereich Ästhetik und Interart-Studies. Sie ist Mitglied der Jungen Akademie an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

Zitationsvorschlag
MEUER, M. Sehnsucht nach menschlichen »Musterstücken».: Shakespeares Sonette, getanzt. denkste: puppe - multidisziplinäre zeitschrift für mensch-puppen-diskurse, v. 3, n. 1.2, p. 114-126, 8 Feb. 2021.